Verhaltenstherapie
Die Verhaltenstherapie in ihrer ursprünglichen Form baut auf lerntheoretischen Grundsätzen auf. Verhaltenstherapeuten gehen davon aus, daß jedem Verhalten - und somit auch problematischen Verhaltensweisen - ein Lernprozeß zugrundeliegt. Verhalten, das gelernt wurde, kann auch wieder verlernt werden; problematisches Verhalten zu "verlernen" ist somit einer der Zwecke von Verhaltenstherapie.
Verhaltenstherapeutische Ansätze haben sich in den letzten drei Jahrzehnten in großem Umfange weiterentwickelt. Die Art und Weise, in der Verhaltenstherapeuten heutzutage arbeiten, hat kaum mehr etwas mit der Verhaltenstherapie von vor vierzig Jahren zu tun. So haben früher beispielsweise Gedanken keine Rolle in der Verhaltenstherapie gespielt. Es ging einzig und alleine um das beobachtbare Verhalten, das auf zum Teil sehr fragwürdige Art und Weise beeinflußt werden sollte.
Die sogenannte "kognitive Wende" hat dazu geführt, daß auch Verhaltenstherapeuten sich intensiver mit der inneren Welt des Menschen auseinanderzusetzen begannen. Gedanken und Gefühle sind aus der heutigen Verhaltenstherapie nicht mehr wegzudenken, weshalb der Begriff teilweise irreführend ist. Oft wird deshalb von "kognitiver Verhaltenstherapie" gesprochen, um zu verdeutlichen, daß gedankliche Prozesse genauso Gegenstand der Behandlung sind wie konkrete Verhaltensweisen.
Verhaltenstherapeutische Ansätze haben sich in Wirksamkeitsuntersuchung den meisten anderen Verfahren gegenüber als überlegen erwiesen. Dies gilt insbesondere für den großen Bereich der Angststörungen; hier können Verhaltenstherapeuten mit den größten Erfolgszahlen überhaupt aufwarten. Doch auch bei anderen Störungen wie beispielsweise Depressionen, Süchte, Eßstörungen, psychosomatische Erkrankungen usw. haben sich verhaltenstherapeutische Behandlungsansätze sehr bewährt und als den meisten anderen therapeutischen Ansätzen überlegen erwiesen.
Eine beliebte Kritik an Verhaltenstherapeuten und auch den oben angeführten Wirksamkeitsnachweisen läuft darauf hinaus, daß sich die Therapie lediglich auf die konkreten Symptome konzentriert und versuche, diese "wegzukriegen". Das eigentliche Problem werde gar nicht bearbeitet, weshalb es nach kurzer Zeit zum Ausbuch anderer Symptome komme ("Symptomverschiebung"). Dieser Kritik wurde in der Psychotherapieforschung ausgiebig nachgegangen. Dies erfolgte zum Beispiel, indem Patienten, die von einer Verhaltenstherapie sehr profitiert hatten, mehrere Jahre nach dem Ende der Behandlung erneut untersucht wurden. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen widersprechen der oben angeführten Kritik der Symptomverschiebung: bei Verhaltenstherapiepatienten entwickeln sich auch nach Ende der Behandlung nicht häufiger Probleme als bei anderen Therapieansätzen auch.