Psychische Probleme
In der Gesellschaft ist es nach wie vor tabuisiert, über psychische Probleme zu sprechen. Entsprechend hat kaum jemand Hemmungen, anderen von seinem Zahnarztbesuch zu erzählen, das Aufsuchen eines Psychotherapeuten hingegen wird strikt geheim gehalten. Die meisten Personen, die sich in psychotherapeutischer Behandlung befinden, fürchten sich vor den Konsequenzen, die es hätte, wenn die Tatsache ihrer Behandlung bei Freunden, Bekannten und Verwandten bekannt werden würde. Diese Sorgen sind auch nicht unbegründet, da manche Menschen tatsächlich gravierende Vorurteile haben, wenn es um psychische Störungen geht.
Angesichts der Häufigkeit psychischer Probleme in der Allgemeinbevölkerung ist es allerdings verwunderlich, daß sich diese Vorurteile noch halten. So zeigt die Forschung beispielsweise auf, daß etwa 15 Prozent aller Menschen irgendwann in ihrem Leben einmal eine Phobie entwickeln. Der Anteil an Personen, die zu irgendeinem Zeitpunkt in ihrem Leben eine schwere Depression entwickeln, wird sogar auf fast 20 Prozent geschätzt. Berücksichtigt man, daß es noch viele weitere psychische Probleme gibt, so wird schnell klar, daß es sich hier nicht um ein gesellschaftliches Grenzphänomen handelt. Vielmehr ist festzuhalten, daß psychische Beeinträchtigungen alltäglich und sehr viel weiter verbreitet sind, als die meisten Menschen denken.
Im folgenden werden einige psychische Probleme kurz beschrieben. Dabei ist eine vollständige Auflistung aller bekannten psychischen Beeinträchtigungen hier jedoch genauso wenig möglich wie eine ins Detail gehende Darstellung. Sollten Sie weitere Fragen haben, so nehmen Sie doch telefonisch (06251/583574) oder per e-Mail Kontakt mit mir auf.
Angststörungen
Angst an sich ist eine völlig gesunde Reaktion, die sogar lebensnotwendig ist. Zum Problem wird sie nur, wenn sie in Situationen entsteht, denen tatsächlich keine Gefahr innewohnt. In der klinischen Praxis sind insbesondere folgende Angststörungen von Bedeutung:
Depression
Hauptkennzeichen einer Depression sind niedergedrückte Stimmung und Hoffnungslosigkeit. Diese Zustände kennt nahezu jeder Mensch aus dem eigenen Erleben, aber bei einer Depression sind sie auf qualvolle Weise gesteigert. Nichts bereitet mehr Vergnügen, oftmals sind auch Alltagsnotwendigkeiten eine schier untragbare Last. Weiterhin sind häufig Schlaf und Appetit gestört. Es fällt schwer, sich auf irgendetwas zu konzentrieren, worunter auch die Arbeit leiden kann, wenn überhaupt noch Arbeitsfähigkeit besteht. In vielen Fällen kommt es jedoch bei einer Depression zu einer so weitgehenden Lähmung des Antriebes, daß sich der Betreffende zu nichs mehr aufraffen kann. Doch auch das Gegenteil ist möglich: den Depressiven erfaßt eine hektische, aber ziellose Betriebsamkeit und Energie. Er fühlt sich unter starker Spannung und hastet ruhelos hin und her und ist gleichzeitig niedergeschlagen und bodenlos pessimistisch in Bezug auf sich selbst, seine Umwelt und seine Zukunft.
Eine Depression ist ein bedrohlicher Zustand, der unbedingt einer Behandlung bedarf. Gerade bei Personen im oben zuletzt beschriebenen Zustand besteht eine gesteigerte Selbstmordgefahr. Diese läßt sich durch eine geeignete Therapie wirksam bekämpfen.
Somatoforme Störungen
Es gibt unterschiedliche somatoforme Störungen, denen insgesamt gesehen jedoch gemein ist, daß körperliche Symptome
bestehen, für die es keine somatische Ursache gibt. Die Betroffenen laufen mit ihren Problemen häufig von Arzt zu Arzt
und bekommen immer wieder zu hören, daß sich bei ihnen diagnostisch nichts finden lasse, was sie meist dazu führt,
weiter zum nächsten Arzt zu gehen, da sie nicht glauben können, daß ihre Symptome nicht auf eine "wirkliche Krankheit"
zurückgehen. Nach einer mehr oder weniger langen Krankengeschichte entsteht also ein Kampf: der Patient versucht seine
Ärzte von der körperlichen Natur seiner Symptome zu überzeugen, die Ärzte wiederum stellen fest, daß der Patient
medizinisch gesehen gesund ist und versuchen ihrerseits, ihm die psychische Basis seiner Probleme klar zu machen. Den
Vor dem Weg zum Psychotherapeuten scheuen diese Menschen verständlicherweise so lang wie möglich zurück, weil sie
damit einräumen würden, daß sie körperlich vielleicht tatsächlich gesund sind.
Nicht in diese Kategorie zu zählen sind übrigens die in der Alltagssprache so genannten "psychosomatischen"
Erkrankungen, wie beispielsweise Magengeschwür oder Asthma. Dieser Begriff wird in der modernen Klassifikation
psychischer Störungen nicht mehr verwendet. Gemeint sind damit jedoch im Gegensatz zu den somatoformen Störungen
Erkrankungen, bei denen tatsächlich eine körperliche Schädigung vorliegt, die jedoch durch psychische Faktoren zumindest
entscheidend mitbedingt worden ist (oder aufrecht erhalten wird). So ist ein Magengeschwür eine reale Schädigung der
Magenschleimhaut, psychisch bedingter und erlebter Streß wirkt sich darauf jedoch verschlimmernd aus (oder hat das
Geschwür gar erst herbeigeführt).
Zwei wichtige Beispiele für somatoforme Störungen sind die Hypochondrie und die somatoforme Schmerzstörung.
Substanzabhängigkeit / Sucht
Substanzmißbrauch bzw. -abhängigkeit gehört zu den verbreitetsten Problemen im westlichen Kulturkreis. Gemeint ist damit ein Konsum von Drogen irgendwelcher Art, der zu Schädigungen bzw. Beeinträchtigungen führt. Diese können weniger gravierend sein, wie beispielsweise beim Koffeinsüchtigen, der ohne sein Quantum Kaffee am Morgen nicht aus den Startlöchern kommt und auch im Tagesverlauf immer wieder zur "Koffeinspritze" greifen muß, um nicht einzuschlafen. Ein weitaus größeres Problem stellt demgegenüber beispielsweise die Alkoholsucht dar. Schätzungen zufolge ergibt sich bei etwa 10 bis 15 Prozent der deutschen Bevölkerung irgendwann im Leben einmal eine Alkoholabhängigkeit.
Generell sind Abhängigkeitserkrankungen dadurch gekennzeichnet, daß ein normaler Lebensvollzug ohne die Suchtdroge nicht mehr möglich ist. Dabei vollzieht sich die Erkrankung in der Regel in mehreren Stufen. Alles fängt möglicherweise vergleichsweise harmlos an, bei Alkohol beispielsweise mit immer häufigerem Trinken in Gesellschaft. Nach und nach kommt es dazu, daß Alkohol bewußt dazu eingesetzt wird, ein Ziel zu erreichen (beispielsweise als Einschlafhilfe, als Stimmungslockerer, als Mittel zum Abschalten nach dem Arbeitstag usw.). Die Mengen des konsumierten Alkohols steigern sich immer weiter, es wird zunehmend alleine getrunken. Der Alkohol ergreift mehr und mehr Besitz vom Konsumenten, aus dem inzwischen schon ein Trinker geworden ist, der sich möglicherweise noch einredet, über seinen Alkoholgebrauch noch die volle Kontrolle zu haben, diese aber längst verloren hat. Am Ende steht ein Leben, in dem Alkohol zum alleinigen Zentrum geworden ist. Der Konsum ist nicht nur finanziell belastend, sondern durch die Größenordnung inzwischen auch körperlich schädigend. Es kommt zu allerlei medizinischen Allgemeinerkrankungen, die bei Fortsetzung des Alkoholtrinkens die Gefahr zur Irreversibilität in sich bergen. In diesem Stadium ist zumeist auch keine Berufsfähigkeit mehr gegeben, der allgemeine soziale, psychische und körperliche Abstieg droht oder erfolgt bereits.
Dieser Verlauf ist auch bei anderen Substanzabhängigkeiten möglich, wobei je nach verwendeter Droge die konkreten Gefahren andere sind. So kommt es beispielsweise beim Gebrauch von Morphinen (z. B. Heroin) zu besonders schneller und heftiger körperlicher Abhängigkeit, während bei Halluzinogenen (beispielsweise LSD und Haschisch) sehr starke psychische Symptome möglich sind, die unter Umständen auch nach dem Absetzen der Droge erhalten bleiben (besonders gefürchtet sind die sogenanten "Flashbacks": auch lange Zeit nach der Beendigung des Drogenkonsumes kann es zu abnormen Erlebnissen, Halluzinationen und "Horrortrips" kommen).
Bei Substanzabhängigkeiten ist der erste Schritt einer Therapie in der Regel die Entgiftung. Diese muß unter medizinischer Kontrolle erfolgen. Anschließend erst kann durch eine geeignete Psychotherapie angestrebt werden, ein Leben ohne Drogen aufzubauen und an der Aufrechterhaltung einer Abstinenz zu arbeiten. Die letztgenannte Abstinenz ist in aller Regel das eindeutige therapeutische Ziel: sogenannter "kontrollierter Drogenkonsum" hat sich bei einer voll ausgeprägten Abhängigkeit in der Vergangenheit nicht bewährt; allzu häufig kommt es zu Rückfällen, die den Teufelskreis von vorne beginnen lassen.
Schizophrenie / Psychotische Störung
Mit dem Begriff "Psychose" werden schwere psychische Symptome gekennzeichnet, die sich insbesondere durch eine Beeinträchtigung des Realitätsbezuges auszeichnen: die Betroffenen sind nicht mehr dazu in der Lage, die sie umgebende Realität angemessen wahrzunehmen. Die wichtigste Form der Psychose ist die Schizophrenie. Bei dieser Erkrankung kommt es beispielsweise zu Halluzinationen, d.h. der Betroffene hört Stimmen, die niemand sonst hören kann oder hat andere Wahrnehmungen, die keinen Realitätsbezug haben. Außerdem kann es zu wahnhaften Störungen kommen. So kann der Betroffene beispielsweise der festen Überzeugung sein, daß er von allen verfolgt werde. Solche "paranoiden" Vorstellungen können sich auf Personen der Umgebung oder auch auf öffentliche Institutionen oder anderes beziehen und zum Teil sehr bizarr sein (Polizei, CIA, Außerirdische etc.). Weitere Symptome können eine merkwürdige oder verarmte Sprache, eine Beeinträchtigung motorischer Funktionen (Körperbewegung), verschiedenste Denkstörungen und noch vieles andere mehr sein.
Eine Schizophrenie ist eine sehr ernst zu nehmende Erkrankung, die den Betroffenen in der Regel sehr stark beeinträchtigt. Eine psychiatrische Abklärung ist bei schizophrenen Erkrankungen unverzichtbar. In aller Regel ist es auch notwendig, durch den Einsatz geeigneter Psychopharmaka in den Neurotransmitter-Haushalt der Betroffenen einzugreifen, wodurch sich zumeist drastische Verbesserungen der Symptome erreichen lassen. Es gibt weltweit einige wenige Kliniken, die versuchen, schizophrene Erkrankungen vollständig ohne Medikamente zu behandeln. Dies ist aber nur unter strikter ärztlicher Kontrolle möglich und erfordert einen enormen Personalaufwand; die meisten der angeführten Kliniken arbeiten mit einem Therapeut-Patient-Schlüssel von 1:1, d.h. jeder/jedem Behandelten ist ein/e TherapeutIn zugeordnet.
Der Psychotherapie kommt im Bereich der Schizophrenien bzw. psychotischen Störungen zumeist der Stellenwert einer begleitenden Maßnahme zu. In deutschen Kliniken arbeiten Psychiater und ärztliche oder psychologische Psychotherapeuten bei der Behandlung von Betroffenen zusammen. Diese Zusammenarbeit sollte im Anschluß an die stationäre Behandlung idealerweise fortgesetzt werden, indem der Patient beispielsweise einen niedergelassenen Psychiater und einen Psychotherapeuten aufsucht.
Eßstörungen
Die beiden wichtigsten Störungen des Eßverhaltens sind die Anorexie und die Bulimie.