Psychologische Beratung

In den verschiedensten Lebenslagen haben wir Beratung nötig. Ob es um die richtige Geldanlage, das für mich geeignete Kameragehäuse oder die perfekte Matraze geht: in all diesen Fällen gibt es Spezialisten, die durch ihr Wissen dazu geeignet sind, uns zu beraten.

Das Wesen der Beratung besteht somit in der Wissensvermittlung. Beratung ist kein Heilverfahren so wie Psychotherapie. Bei Psychologischer Beratung ist die Grenze zwischen rein informationsbezogener Beratung und therapeutischer Einflußnahme jedoch fließend: kann die Beratung, was im Falle eines Führerscheinverlustes zu tun ist, oft sehr informationsbezogen bleiben, so geht beispielsweise eine Erziehungsberatung oft in therapeutische Arbeit über, da uns wenig anderes so nahe geht wie eingebildetes oder echtes Scheitern in der Kindererziehung.

Da Beratung keine Heilbehandlung ist, wird sie auch nicht von den Krankenkassen bezahlt. Die verschiedenen Beratungsstellen beispielsweise kirchlicher und staatlicher Träger bieten ihre Beratung in aller Regel kostenlos an. Aus diesem Grund besteht bei Beratungsstellen häufig ein großer Andrang mit entsprechend langer Wartezeit: Sie melden sich heute zur Beratung an und bekommen Ihren ersten Beratungstermin in mehreren Monaten. Anders sieht dies oft bei Beratern aus, die ihre Beratung als zu bezahlende Dienstleistung anbieten.

Anders als bei der Psychotherapie gibt es bei Beratung keine Gesetze, die den Ratsuchenden vor Scharlatanerie oder auch einfach nur Inkompetenz schützen: wenn Sie einen Psychotherapeuten aufsuchen, so können Sie sich von diesem seine Approbation zeigen lassen und sich damit sicher sein, daß der Therapeut über eine Qualifikation verfügt, die staatlich anerkannt ist. Ähnliches gilt für die Kassenzulassung: jeder Therapeut, der Ihre Behandlung über die Krankenkassen abrechnen kann, verfügt über eine vom Gesetzgeber anerkannte Qualifikation in Verhaltenstherapie, Psychoanalyse oder Tiefenpsychologie. Dergleichen gibt es im Felde der Beratung nicht. Zwar können viele Berater zahlreiche "Beratungsdiplome" oder "Zertifikate" vorweisen, diese Nachweise sind jedoch unter Umständen nicht das Papier wert, auf welchem sie gedruckt sind. Auch einige Sekten üben sich unter dem Deckmantel der "Beratung" in der Anwerbung neuer Mitglieder. Sie sollten aus diesem Grund immer dann, wenn "Beratung" angeboten wird, besonders vorsichtig sein und sich über die Qualität des Beratungsangebotes selber zu informieren versuchen. Fragen Sie den Berater nach seiner Qualifikation. Ist Ihnen das, was er Ihnen vorlegt, unbekannt, so ziehen Sie weitere Erkundigungen ein.


©A. Noyon (APR/2000)